Sueddeutsche Zeitung vom 5.Juni.2008

Seit der Gründung der USA waren es oft Europäer, welche die Befindlichkeiten Amerikas auf den Punkt brachten. Die Klassiker reichen von Alexis de Tocquevilles Demokratiestudien über Robert Franks Fotoband "The Amerikana" bis zu Wim Wenders "Paris Texas". In einem Land, das so konsequent an seiner homogenen kulturellen Identität arbeitet, ist der Blick der Außenseiter eben so scharf, weil sie im Alltäglichen so viel Grundsätzliches entdecken.
Auch der deutsche Fotograf Peter Granser ist seit Jahren durch die USA unterwegs. In seinen zwei fulminanten Fotobänden "Sun City" und "Coney Island" hat er die knallbunten Seiten der Vereinigten Staaten in seinem melancholischen Blick zu sonnengebleichten Ruinen des amerikanischen Traums reduziert. Mit seinem neuen Band "Signs" (Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2008, 132 Seiten, 99 farbige Abbildungen, 39,80 Euro) hat er nun ein Essay über das konservative Amerika vorgelegt, das in seiner minimalistischen Direktheit tief in die Stimmung des Landes einsteigt, das sich an einem historischen Wendepunkt befindet.
In Texas enstanden die Bilder, also in jenem Bundesstaat, den George W. Bush als seine Heimat deklariert und in dem sich strenge Frömmlichkeit und trotzige Wehrhaftigkeit zu dieser einzigartigen Haltung vermischen, die uns Europäern so fremd ist. Granser wird dabei nicht einmal polemisch. Seine Bilder von den mal subtilen, mal frontalen Zeichen, die diese Gesellschaft in der öden Landschaft von Texas hinterlässt, sind vom klaren Blick des Außenseiters bestimmt, der viel weiß, aber nichts behauptet.

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